Der feuchte Traum eines jeden Überwachungsstaates ist schon lange Realität geworden. Was vor 10 Jahren noch nach purer Science Fiction klang ist mittlerweile so normal geworden, dass es kaum noch jemand registriert. Dabei betrifft das Thema jedes Jahr mehr und mehr Menschen!
Die Rede ist vom sogenannten eCall System. Dieses ist für alle seit 31. März 2018 zugelassenen PKW und LKW bis 3,5 Tonnen Pflicht. Das System kann und darf nicht deaktiviert werden, ansonsten erlischt die Betriebserlaubnis des Fahrzeuges. So sammelt es still und leise fleißig Daten. Bezahlt wird das alles von uns Autokäufern. Doch das ist noch nicht einmal das schlimmste!
Was ist eCall?
Konzipiert ist das eCall System als automatisches Notrufsystem. Es funktioniert dank verbauter SIM-Karte überall da wo es Handyempfang gibt und soll bei einem Unfall für rasche Hilfe sorgen. Da es sowohl per Druck auf den SOS-Knopf als auch automatisch ausgelöst werden kann, setzt es auch dann einen Notruf ab wenn man selber nicht mehr dazu in der Lage ist.
Das klingt nicht nur toll sondern kann tatsächlich helfen Leben zu retten. Doch das ist nur ein Teil der Wahrheit! Denn eCall besteht aus mehreren Komponenten die ständig aktiv sind und jede Autofahrt überwachen. Unter anderem ist ein Mikrophon verbaut.
Komponenten und Funktion
Unsere Fahrzeuge sind vollgestopft mit Sensoren, diese nutzt das eCall System. GPS sorgt für die genauen Positionsdaten, Crashsensoren erkennen einen Unfall. Mittels verbauter SIM-Karte wird automatisch eine Verbindung zur Einsatzzentrale (112)aufgebaut. Dafür ist eCall mit einem Mikrophon ausgestattet.
Es funktioniert also auch wenn das Fahrzeug weder über Navigationssystem noch Freisprecheinrichtung verfügt. Das System speichert laufend Daten, die gesammelten Daten werden automatisch übertragen.
Das alles funktioniert vollautomatisch, ohne das man sich darüber bewusst ist oder dagegen etwas unternehmen kann. Doch warum sollte man das überhaupt wollen? Um diese Frage zu beantworten muss man erst einmal wissen welche Daten genau gespeichert und übertragen werden!
Datenübermittlung
Sobald eCall einen Notruf absetzt werden automatisch viele Informationen an die Einsatzzentrale übertragen. So z.B. die Antriebsart des Fahrzeuges. Da von der Batterie eines E-Autos andere Gefahren ausgehen als von einem Verbrennungsmotor macht das durchaus Sinn und ist für die Einsatzkräfte eine wertvolle Information.
Auch die genaue Fahrzeugposition und Fahrtrichtung wird übermittelt. Zusätzlich noch die Fahrgestellnummer. Sogar die Anzahl der sich im Fahrzeug befindlichen Personen ist sofort bekannt. Dies funktioniert über Drucksensoren in den Sitzen. Wer schon mal eine schwerere Tasche auf einem Sitz abgestellt hat und dann eine Anschnallwarnung bekam, wird sofort wissen was wir meinen.
Nichts von den bisher erwähnten Dingen ist an sich negativ oder gar gefährlich. Ganz im Gegenteil, es ist ein Sicherheitsgewinn! Daher wollen wir das eCall System als solches auch gar nicht verteufeln. Doch gibt es Gefahren die den meisten Fahrzeugbesitzern gar nicht klar sind.
Das trojanische Pferd
Während die meisten Assistenzsysteme in einem Auto abgeschaltet werden können, ist das bei eCall nicht möglich und auch gar nicht erlaubt. Es läuft also bei jeder Fahrt ungefragt mit und sammelt jede Menge Daten. Es wird beteuert diese Daten würden nur bei Auslösung des Systems übermittelt. Auch das Mikrophon soll sich nur auf Knopfdruck oder bei Erkennung eines Unfalls einschalten. Doch kontrollieren kann man das nicht! Es bleibt nur, darauf zu vertrauen das die Daten nicht ungefragt abgerufen oder Gespräche im Auto mitgehört werden.
Allerdings gibt es eine Hintertür für die Fahrzeughersteller, das führt zu weitreichenden Überwachungsmöglichkeiten.
Neben dem eigentlichen eCall Grundsystem können die Hersteller nämlich noch weitere Datenübertragungssysteme verbauen. Ganz legal und vom Fahrzeugbesitzer unbemerkt. Theoretisch dürfen die so gesammelten Daten zwar nicht ohne Einwilligung des Benutzers verwendet werden, doch die wird nicht selten erschlichen.

Nissan möchte z.B. bei jedem Start des Fahrzeuges, die Zustimmung personenbezogene Daten sammeln zu dürfen. Darunter auch Fahrgestellnummer, Position und Geschwindigkeit des Fahrzeugs. Wer Zusatzdienste nutzen möchte, oder unbedacht auf OK tippt, ist schon in der Falle!
Reale Gefahr oder Hirngespinst?
Es besteht wohl kaum die Gefahr, dass wir massenweise abgehört werden. Doch im Einzelfall könnte das durchaus möglich sein. Dank der Verknüpfung von eCall mit der Fahrgestellnummer ist es für Behörden nur eine Sache von Sekunden den Fahrzeughalter herauszufinden. Schnell könnten Daten über Politiker oder prominente Personen missbraucht werden. Fälle in denen Polizisten die persönlichen Daten von Ex-Partnern oder unliebsamen Personen abgerufen und weitergegeben haben, sind auch schon vorgekommen.
Fahrgestellnummer, und somit auch Käufer, sind allerdings auch den Herstellern bekannt. Da die Fahrzeughersteller zusätzlich ein eigenes eCall verbauen können, sind der Datensammelwut kaum Grenzen gesetzt. Denn, und auch das weiß kaum jemand, herstellereigene eCall Systeme unterliegen keinen datenschutzrechtlichen Bestimmungen!
Die gesammelten Informationen, z.B. Fahrstrecke, Nutzerverhalten oder aber auch wie oft die Spurhaltewarnung ausgelöst wurde, könnten den Weg zu Versicherungen und anderen zahlenden Unternehmen finden!
Das ist doppelt problematisch, da Fahrsicherheitssysteme nicht immer besonders zuverlässig sind. Ein Leihauto von Renault, das wir während einer Reparatur von unserem Händler erhalten haben, zeigte ständig Warnungen des Spurhalteassistenten an. Schnee am Fahrbahnrand, ausgebesserte Stellen im Asphalt und sogar Reflektionen durch Nässe führten zu unzähligen Fehlalarmen.
Verknüpft man nun diese Warnmeldungen mit persönlichen Daten, könnte leicht das Bild entstehen, der Fahrzeughalter ist ein unsicherer Fahrer.