Faktencheck: Österreich als Klimasünder?

Veröffentlicht am

Sieht man sich Berichte in einigen bekannten Medien an, kann man schnell zu der Meinung gelangen, Österreich ist ein wahrer Klimasünder. Unsere Industrie und der Verkehr verpesten die ganze Welt. Österreich muss dringend etwas tun! Aber sind das tatsächliche Fakten oder Panikmache? Wir haben es uns angesehen!

Als Indikator wird sehr gerne die CO2 Emissionen eines Landes herangezogen. Daher sehen wir uns diese Daten gleich zu Beginn an! Im Jahr 2023 waren es immerhin 69 Millionen Tonnen an CO2 die Österreich produziert hat.

69 Millionen Tonnen ist ein Wert den man sich kaum bis gar nicht vorstellen kann. Um ihn besser einordnen zu können, hier eine Tabelle mit den Top 10 Ländern was CO2 Emissionen angeht. Die Zahlen berücksichtigen die direkten CO₂-Emissionen der Länder, also ohne die durch den Konsum von im Ausland produzierten Waren entstandenen Emissionen.

CO2 Emissionen 2023

1China11.500
2USA5.000
3Indien2.800
4Russland1.760
5Japan1.030
6Deutschland675
7Iran630
8Südkorea610
9Saudi-Arabien600
10Indonesien590
51Österreich69

Österreich landet in diesem Vergleich auf Platz 51. Ein Grund zur Freude ist das jedoch nicht. CO₂-Emissionen verstärken den Treibhauseffekt und treiben damit den Klimawandel voran. Im Umkehrschluss bedeutet das, jede Einsparung wirkt sich positiv auf unsere Umwelt aus.

Die gute Nachricht lautet: Österreich ist auf einem guten Weg seine CO2-Emissionen zu reduzieren. Im Jahr 2005 lagen die Emissionen noch bei etwa 92,5 Millionen Tonnen, 2018 waren es rund 79,1 Millionen Tonnen.
Für das Jahr 2024 liegen noch keine endgültigen Zahlen vor, man geht jedoch von einer Reduktion um etwa 3,7 % gegenüber dem Vorjahr aus.

Die größten Verursacher

1EnergieerzeugungStrom- und Wärmeproduktion durch fossile Brennstoffe40-45% der Gesamt-Emissionen
2VerkehrPKWs, Lkw, Busse, Flugzeuge und Schifffahrt30-35% der Gesamt-Emissionen
3IndustrieZementproduktion, Chemieindustrie, Metallverarbeitung15-20% der Gesamt-Emissionen
4LandwirtschaftTierhaltung, Düngemittel, Bodenbearbeitung8-10% der Gesamt-Emissionen
5AbfallwirtschaftEmissionen durch Deponien, Verbrennung von Abfällen3-5% der Gesamt-Emissionen
6Wohngebäude und GebäudeheizungEnergieverbrauch für Heizungen in privaten und öffentlichen Gebäuden2-4% der Gesamt-Emissionen
7Chemische IndustrieHerstellung von chemischen Produkten (Dünger, Kunststoffe)1-2% der Gesamt-Emissionen
8BergbauKohlenabbau und andere rohstoffverarbeitende Industrien1% der Gesamt-Emissionen
9Landwirtschaftlicher TransportEmissionen durch Transport von landwirtschaftlichen Produkten1% der Gesamt-Emissionen
10ForstwirtschaftAbholzung und Waldnutzung, die CO₂-Emissionen freisetzt1% der Gesamt-Emissionen

Die genauen CO₂-Emissionen können je nach Jahr und Quelle leicht variieren. Die oben genannten Prozentsätze basieren auf den verfügbaren Daten, wobei der Energiesektor und der Verkehr die größten Treibhausgasemittenten in Österreich sind.

Energieerzeugung

Jeder von uns benötigt Strom und Wärme, keine Frage. Doch wie diese erzeugt werden, können wir nur begrenzt beeinflussen. Selbst wenn man sich für einen ökologischen Stromanbieter entscheidet, ein Fakt bleibt: Im Jahr 2023 wurde mehr als 20% des österreichischen Strombedarfs aus dem Ausland importiert. Das klingt jedoch negativer als es tatsächlich ist!

Immerhin, im Jahr 2024 wurde bereits 9,7% der heimischen Stromerzeugung über Photovoltaik bewerkstelligt. Die Stromproduktion aus Erdgas ging weiter zurück. Ganze 52,7% des erzeugten Stroms stammte aus Wasserkraftwerken!

Verkehr

Erstaunlich leise ist die heimische Politik wenn es um Flugreisen geht. Damit, dass Politiker selber gerne das Flugzeug benutzen kann es ja wohl nicht liegen. Daran das Großspender der Parteien für Reisen ebenfalls gerne auf Flugzeuge zurückgreifen, liegt es sicher auch nicht. Oder doch? Geschäfts- und Urlaubsreisen thematisiert man lieber nicht. Punkt! Allerdings: Flugreisen haben einen erheblichen Einfluss auf CO2 Emissionen, da der Luftverkehr besonders energieintensiv ist.

Zugegeben, der Vergleich hinkt, dennoch sollte man über folgendes nachdenken. Mit dem Tankinhalt einer Boeing 737 Passagiermaschine könnte ein durchschnittliches Auto wie z.B. unser Nissan Qashqai etwas 400.000 Kilometer weit fahren. Also weiter als ein typisches Autoleben überhaupt dauert!

Autos verpesten die Umwelt, sind laut und benötigen viel Platz. So liest man es beinahe täglich. Man könnte sich konstruktiv mit diesen Argumenten auseinandersetzen, Lösungen wie die öffentlichen Verkehrsmittel in ländlichen Gebieten forcieren und gemeinsam anpacken. Stattdessen tritt man gegen Pendler nach, die auf das eigene Auto angewiesen sind.

Noch schlimmer: Man bestraft Bürger die sich für ein E-Auto entscheiden wollen! So müssen ab 1. April 2025 auch die Halter von E-Autos eine motorbezogene Versicherungssteuer bezahlen. Förderungen werden eingestellt, die Lade-Infrastruktur ist weiterhin schwach.

Auch der öffentliche Verkehr kann in ländlichen Gebieten nicht wirklich glänzen. In vielen Gegenden ist man mit dem eigenen Auto deutlich schneller unterwegs. Selbst wenn man den Fußweg zur nächsten Haltestelle nicht einbezieht.

Politik und Klimaschutz

Österreichs Politik will etwas für den Klimaschutz tun. Für die einen ist das viel zu wenig, für andere wiederum schon viel zu viel.

Zwischen Klimagesetz und Klimazielen eiern unsere lieben Politiker mal wieder herum und versuchen dabei möglichst die eigenen Wähler nicht zu vergraulen. Da werden Meinungen und Fakten schon mal dezent verwechselt. Ob unbewusst oder mit purer Absicht lassen wir an dieser Stelle einmal dahingestellt.

Gestritten wird über Sinn und Unsinn von Subventionen, die CO2 Bepreisung und natürlich auch über den Umstieg auf erneuerbare Energie. Die einzelnen Parteiprogramme unterscheiden sich teils enorm von einander, am Ende geht wieder einmal wertvolle Zeit verloren.

Immerhin hat das aktuelle Regierungsprogramm gute Ansätze. Ein rechtlich bindendes Klimagesetz soll kommen. Erneuerbare Energien und Speicher sollen ausgebaut werden. Klimaschädliche Subventionen sollen beendet werden. Und vieles mehr! Doch mit „soll“ ist es nicht getan. Jetzt müssen Taten folgen. Allerdings stellt sich da noch die Frage der Bezahlbarkeit!

Bevölkerung am Limit!

Bei all den Diskussionen um den Klimaschutz wird oft auf die Menschen vergessen. Menschen die hart arbeiten müssen um sich kleine Freuden leisten zu können. Menschen die sich oftmals trotz Vollzeitjob keine Flugreisen und E-Autos leisten können, da die Kosten für den Lebensunterhalt ständig steigen.

Während Politiker sich gemütlich vom Dienstwagen zum Flughafen bringen lassen, lässt der Arbeiter seinen alten Wagen in der nächsten Werkstatt zusammenflicken, weil er sich kein neues Auto leisten kann. Doch das will niemand hören. Zu schön ist das Märchen vom kleinen Land Österreich, wie es das Weltklima rettet.

Während Familien Reparaturen aufschieben müssen weil das Geld kaum für Miete und Kleidung reicht, wird weiter oben munter an weiteren Abgaben gebastelt. Man könnte beinahe denken, der normale Bürger soll bis zum letzten Tropfen ausgequetscht werden. Doch halt, Mineralölsteuer, CO2 Abgaben usw. sind natürlich nur zu unserem besten!

Fazit

Es gibt noch sehr viel zu tun beim Klimaschutz. Mit Gesetzen und Strafen alleine wird das jedoch niemals gelingen! Damit Maßnahmen langfristig funktionieren, brauchen sie den Rückhalt der Bevölkerung. Sie müssen leistbar und sinnvoll sein.

Anreize schaffen, klimafreundliche Technologien fördern und die Energieerzeugung umweltfreundlicher machen. Klingt zu einfach? Doch genau so einfach ist es! Windkraft und Photovoltaikanlagen mit Speicher sind keine Science Fiction sondern Realität!

Stattdessen zieht man den Menschen das Geld mit Abgaben und Steuern aus den Taschen und streitet munter weiter, ob es den Klimawandel überhaupt gibt…

Das alles ist bei weitem nicht optimal, doch Klimasünder sind wir deswegen noch lange nicht!